Ganz nah - April 2025
Liebe Leserin,
lieber Leser,
Der März ist vergangen und nun erwacht auch hier im Gebirge das Leben in allen Formen. Einen kleinen Vorgeschmack darauf bekam ich bereits vor wenigen Tagen auf einer kleinen Bergtour in einer meiner Lieblingsregionen, dem Karwendel. Lange geplant war lediglich das gemeinsame Frühstück mit einem guten Freund und während wir den letzten gemeinsamen Kaffee tranken, fragte ich nach einer Empfehlung in seinem Revier, für den heutigen Tag. Wenig später gingen wir beide unserer Wege und ich genoss die warme Frühlingssonne am Berg. Kleine gelbe Huflattich Blüten säumten den Weg und reckten sich zur Sonne, es war einfach nur herrlich, endlich wieder draußen in den Bergen unterwegs zu sein.
Huflattich Blüten im Mittagslicht
Mehrere Schmetterlinge flogen die Blütenstände regelmäßig an und trotz wenig geeignetem Mittagslicht stoppte ich, um mir das Spektakel anzuschauen. Es dauerte nicht lange bis Kamera und entsprechendes Objektiv, inklusive mir, im Kies des Forstweges lagen. Doch nun ließen sich die Falter nicht mehr blicken und dies, obwohl ich mehr Abstand, als bei meinen vorherigen Beobachtungen hielt. Sie schienen nun mit ihrer Blütenplünderung fertig zu sein und sicherlich dauerte es eine Weile, bis neuer Nektar sie locken würde. Außerdem wollte ich ja auf den Berg…
Doch was war das?
Aus den Augenwinkeln sah ich einen einzelnen Falter am Hang hinter mir flattern und vorsichtig rollte ich mich vom Bauch auf den Rücken. Nicht ganz das gewünschte Bild entstand, aber beinahe. Bereits in diesem Moment freute ich mich, dass ich Dir nun eine runde Geschichte erzählen kann.
Landeanflug eines kleinen Fuchs
Auch einige zusätzliche Minuten an dieser Stelle brachten keine weiteren Falter mehr und der Kleine Fuchs war mit dem leichten Wind bereits den Hang hinab geflogen. So ging es nun auch für mich weiter und trotz einiger verlockender Frühlingsmotive, stoppte ich erst eine knappe Stunde später erneut. Eine kleine Lichtung neben dem recht schmalen und steilen Pfad im Bergwald, lud zur Rast ein… Genau in diesem Moment hörte ich kurz hintereinander zwei zischend - pfeifende Geräusche, welche ich nicht einordnen konnte. Was war das? Nichts unauffälliges war ansonsten zu hören oder zu sehen. Ein Blick in jede Richtung bestätigte dies und im selben Moment realisierte ich: Drei Adler kreisten über mir!
Einer weit oben und zwei weitere gewannen soeben an Höhe.
Zwei Steinadler gewinnen an Höhe…
Sie schraubten sich majestätisch direkt über mir in die Höhe. Eine leichte Gänsehaut begleitete Erkenntnis - wäre ich nun ein Schneehase, Birkhuhn oder anderes kleineres Getier gewesen, hätte ich vermutlich einen unangenehmen Freiflug bekommen.
So blieb es bei einem neugierigen Blick der beiden, wer und was ich wohl sei und damit hatte sich die Sache für die Raubvögel erledigt.
Motiviert, vergaß ich die Pause, schulterte den Rucksack und brachte die letzte Wegstrecke bis zum Gipfel in rekordverdächtiger Geschwindigkeit hinter mich. Kurz vor dem Ziel machte ich dann doch noch eine kleine Pause. Die entsprechende Kleidung für Wildtierfotografie war schnell angelegt, ich trank schnell noch ein Schluck Tee und montierte natürlich das große Teleobjektiv. Zum Glück ging mir dies alles flüssig von der Hand, denn nun bemerkte ich, dass über den nahen Gipfeln die Adler in großen Runden flogen. Welch ein Schauspiel…
Steinadler vor schneebedecktem Gipfel
Ich erhoffte mir Bilder der Adler vor der Kulisse der spitzeren Berggipfel, doch diesen Gefallen taten mir die Beiden nicht. Während ich konzentriert fokussierte, um trotz der großer Entfernung von bis zu einem Kilometer, diese seltene Gelegenheit bestmöglich auszunutzen, nahm ich nur recht unterbewusst war, dass einer der beiden erneut auf mich zukam. Schon war er knapp über mir. Schnell passte ich die Belichtungszeiten an und einige formatfüllende Bilder entstanden. Um dem Alder mit der Kamera folgen zu können, war ich natürlich über den Boden gerollt. Doch nun musste ich mich neu positionieren, denn einige Steine stachen doch recht unangenehm in meine Flanke und der Abhang war nah. Der Adler war inzwischen weiter geflogen und nur noch als winziger Punkt in der Ferne zu sehen, die anderen beiden sah ich gar nicht. Also gab es erstmal eine Pause. Adrenalingetränkt und mit leicht zittrigen Händen, inspizierte ich die entstandenen Fotos. Das ganz oben gezeigte Bild und folgendes erfreuten mich ganz besonders:
Seine Majestät I
Nach meiner kurzen Pause im Windschatten rührte sich immer noch nichts und wie Du vielleicht weißt, manchmal hat man während man wartet komische Ideen. So auch dieses Mal… Ich versuchte laienhaft den Ruf des Steinadlers zu imitieren - wie schon ein paar Mal ziemlich erfolglos in den letzten Jahren. Sicherlich konnten die Adler diesen Pfiff bei dem vorherrschenden Wind gar nicht hören, doch wie dem auch sei - es dauerte keine Minute und ich erkannte in der Ferne erneut einen kleinen Schatten vor den Bergen.
Anflug
Er kam tatsächlich angeflogen! Diesmal noch näher und fast auf Augenhöhe… Einige Bilder entstanden, auf einem davon erkennt man sogar die sogenannte Nickhaut - eine dünne Hautschicht die zum Schutz vor die Augen “geschoben” wird. Welch ein Augenblick.
Seine Majestät II
Dies alles ging sehr schnell. Schon verschwand er hinter einem kleinen Grashügel, während ich mich wieder daran erinnerte Luft zu holen.
Abflug ins Gras
In der Ferne konnte ich ihn nochmals kreisen sehen, bevor er sofort komplett verschwand, als ein Motorengeräusch zu hören war…
Störung am Berg
Ich blieb bis zum Sonnenuntergang einige Stunden später. Doch ab dem niedrigen Überflug der kleinen Maschine war kein einziger Adler mehr zu sehen… Leider.
Diese Beobachtung erinnerte mich an ein Erlebnis wenige Tage zuvor in der Nähe von Mittenwald. Generell ist es so, dass in der Brutzeit Flugverbotszonen um die (bekannten) Adlerhorste eingerichtet sind. Dies gilt auch für Paraglider, Hubschrauber etc.. Doch dass diese temporären Schutzzonen nicht immer eingehalten werden, musste ich während der Adlerbeobachtung persönlich erleben und hoffe nun, dass die Adler diesen Vorfall nicht krumm genommen haben.
Doch zurück zur Bergtour, die noch weitere fotografische Freuden für mich bereit hielt. Gerade als ich absteigen wollte, um nicht gar zu sehr in die Dämmerung zu gelangen, nahm ich am Weg unter mir eine Bewegung wahr. Hervor kam eine neugierig blickende Gams. Zwei weitere folgten ihr und standen dann abwechselnd im wunderschönen goldenen Abendlicht Model für mich. Da sie beim gemütlichen Grasen den Weg blockierten, konnte ich natürlich nicht anders und blieb noch eine Weile. Erst, als die letzte Gams den nahen Grat überwunden hatte, packte ich erneut meine Sachen. Doch nun musste ich mich sputen, um möglichst schnell und geräuschlos diesen wunderbaren Platz hinter mir zu lassen und zurück ins Tal zu gelangen. Denn ein Auf- oder Abstieg zur Dämmerungszeit ist generell für die Tierwelt unvorteilhaft und stellt insbesondere mit Stirnlampe eine erhebliche Störung dar.
Der Augenblick
Da ich keinerlei Fluchtgeräusche wahrnahm, gelang es mir hoffentlich, unauffällig ins Tal zu gelangen. Während ich meinem Spezl mit strahlenden Augen von den Erlebnissen des heutigen Tages berichtete, strahlten ebenfalls bereits die Sterne am Himmel.