Herbst im Isartal - November 2024
November 2024
Liebe LeserIn,
während ich diese Zeilen schreibe ist wunderbarstes Herbstwetter in Mittenwald und zu gern würde ich einfach den Schreibtisch mit einem der nahe gelegenen Seen, der Isar, dem Karwendel oder einem anderen Platz tauschen.
Doch ich weiß, einige LeserInnen freuen sich über den monatlichen Rundbrief sehr und das ist nun seit vielen Jahren mein Anreiz, Dir jeden Monat die aktuellsten Bilder zusammenzustellen und einige Zeilen zu schreiben. Übrigens bisher ohne KI und das soll auch so bleiben! Ich freue mich über jede Newsletter Anmeldung und hier nun ein kleiner aktueller Bericht über einen Herbsttag im Isartal:
In den frühen Morgenstunden dieses Oktobertages lag noch Nebel über den Isarauen, während langsam die Sonne über die Soierngruppe kroch und ihre wärmenden Strahlen ausschickte. Ein warmer Herbsttag kündigte sich an. Einige Nebelaufnahmen entstanden und ich beschloss am Nachmittag nochmals eine kleine Runde zu drehen um das sanfte Nachmittagslicht für weitere Fotos zu nutzen.
Sonnenaufgang und Nebelstimmung bei Wallgau
Ich machte meinen Rundgang und versuche jede Veränderung wahrzunehmen. Neue Spuren im Sand, wieviel Restwasser ist geblieben, waren Menschen unterwegs, wie leuchten die Gräser und wie kann ich hier den Herbst am besten darstellen - heute, oder erst in ein paar Tagen, oder bin ich etwa schon zu spät?
Die größte Veränderung die ich wahrnahm - wo ist das Wasser?
Jeden Herbst wird dank dem Wasserkraftwerk nur eine gewisse Restwassermenge durch den sogenannten "Letzten Wildfluss Deutschlands" gelassen - viel zu wenig um Leben im Bachbett, geschweige denn einen durchgehenden Fluss zuzulassen. Ähnlich ist es nach jeder Kiesspülung durch den Kraftwerksbetreiber. Im Jahr 2020 habe ich genau darüber bereits einmal berichtet, im Newsletter: Isarkatastrophe...
Aktuell ist die Lage noch prekärer und das Flussbett ist im Bereich um Wallgau und den Isarsteg komplett trocken gelegt worden. Eine Katastrophe für alles wassergebundene Leben.
Fast ausgetrocknetes Bachbett der Isar
Während ich in Gedanken noch bei dieser unglaublichen und menschengemachten Misslage durch das trockene Bachbett gehe, erhascht eine kleine Bewegung meine Aufmerksamkeit - ein Admiral fliegt auf.
Natürlich meine ich den fast ganzjährig vorkommenden hübschen Falter und nicht einen mit glänzenden Orden und vorgewölbter Brust ausgestatteten Mann, der Kanonenfutter befehligt.
Meine Laune steigt und ich bin dankbar, dass ich nicht nur düstere Landschaft sehe, sondern die mitgebrachte Kameraausrüstung auch für ein besonderes Naturschauspiel nutzen kann.
Admiral im Flug
Vor meinen Füßen tummelt sich auf jedem Quadratzentimeter pures Leben. Bei genauem Hinschauen entdecke ich dass nicht nur verschiedene Falterarten, sondern auch viele andere Insekten sich an einer speziellen Stelle im ausgetrockneten Bachbett versammelt haben. Doch die Falter sind natürlich die auffälligsten und fotogensten unter ihnen...
Buntes Leben im Kies
Auf dem oberen Bild sind über 5 Schmetterlinge versteckt, kannst Du sie entdecken?
Insbesondere bei geschlossenen Flügeln sind sie trotz auffälliger Farben extrem gut getarnt. Leichter tut man sich natürlich mit der Beobachtung, wenn man sich auf gleiche Höhe begibt. Dann leuchten auch die Farben viel schöner...
Ganz nah
Interessanterweise schienen sich die Schmetterlinge und anderen Insekten kaum stören zu lassen, während ich zwischen ihnen auf dem Boden herumrobbte. Fleißig saugten sie auf den Oberflächen der Steine. Was genau sie derart appetitanregend fanden, kann ich nur erahnen. Im Gegenlicht der Sonne und auch teils auf meiner Haut, nahm ich winzige, von den überhängenden Weiden fallende Tröpfchen wahr. Manche Steine schienen mehr von dieser Köstlichkeit zu haben, andere weniger.
Versammlung im Gegenlicht der Sonne
Einer dieser Steine schien besonders beliebt und an dort gab es auch regelmäßig Gedränge bis hin zu kleinen Kämpfen.
Kampf um den Spot
Spannend zu beobachten. Einer der Falter hatte eindeutig die Oberherrschaft und als der Stein erfolgreich verteidigt war, gönnte er oder sie sich erstmal ein ausgiebiges Sonnenbad, bis der Rüssel wieder ausgefahren wurde und kein Nektar sondern - ja was eigentlich (?) - gesaugt wurde.
Sonnenbad des Siegers
Neugierig schaute ich mich um und untersuchte die Herkunft der Tröpfchen. Einige Weidenblätter hatten Ansammlungen kleiner Blattläuse und meine Vermutung geht dahin, dass es sich um deren herunterfallende Ausscheidungen handelt, welche so heiß begehrt sind.
Blattläuse weiden ein Weidenblatt ab
In meinen Augen erneut ein sehr gutes Beispiel für das Zusammenspiel vieler Arten in einem schützenswerten Lebensraum. Ich hoffe sehr, dass sich die Situation bezüglich des Wasserpegels an der Isar zum Positiven ändern wird und alle Arten in ein ausgewogenes Wechselspiel treten können.
Dein Sebastian